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Datum: 21.01.2013

Export von Bonner Know-how nach Afrika Bonner Uni-Nuklearmedizin transferiert Radiopeptid-Therapie neuroendokriner Tumoren nach Südafrika

Neuroendokrine Tumore (NET) sind sehr uneinheitlich und betreffen häufig den Magen-Darm-Trakt. Eine wirksame Waffe sind direkt in die seltenen Tumoren eingeschleuste radioaktive Substanzen. Ihre Erfahrungen mit der so genannten Radiopeptid-Therapie tauschten die Nuklearmediziner mit südafrikanischen Kollegen aus, die mit Erfolg jetzt die ersten Eingriffe dieser Art am Steve Biko Academic Hospital der Universität von Pretoria durchführten.

Nur etwa drei bis fünf von 100.000 Menschen erkranken jährlich an der Krebsform „neuroendokriner Tumor“. Die Geschwulste kommen meistens im Magen-Darm-Trakt und in der Bauchspeicheldrüse vor. Da die Tumore häufig Hormone bilden, können sie das Verdauungssystem komplett durcheinander bringen und den Patienten das Leben zur Hölle machen.

Radioaktive Marker gegen Krebs

Die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Samer Ezziddin an der Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Bonn sammelt seit mehr als acht Jahren umfangreiche Erfahrungen mit der so genannten Radiopeptid-Therapie neuroendokriner Tumore. Hierbei nutzen sie eine Eigenschaft dieser Geschwülste: Diese tragen auf ihrer Oberfläche ungewöhnliche viele Andockstellen für einen bestimmten körpereigenen Botenstoff ähnlich einem Wachstumshormon. Geben die Nuklearmediziner daher gering modifizierte und radioaktiv markierte Hormone dieser Art als Infusion über die Blutbahn, so docken diese dann in großer Zahl an dem Tumor an und werden dauerhaft in die Tumorzellen aufgenommen. „Die radioaktiven Marker strahlen nicht weiter als etwa einen Millimeter“, erklärt Ezziddin. „Deshalb können wir damit gezielt die Tumore zerstören, ohne das Nachbargewebe zu schädigen.“ Eine effiziente Strahlentherapie auch von streuenden Tumoren ist damit ohne große Nebenwirkung möglich.

In Bonn wurden etwa 1.200 Therapien bei 400 Patienten durchgeführt. Frühere Untersuchungen zeigten, dass sich das Überleben der Patienten um vier bis fünf Jahre verlängern lässt. Auch kann die durch diese Tumoren verursachte Symptomatik wie Durchfälle, Blutdruckkrisen und Knochenschmerzen deutlich reduziert werden.

Einsatz der Radiopeptid-Therapie in Südafrika

Der Leiter der Klinik für Nuklearmedizin, Prof. Dr. Hans-Jürgen Biersack, hat im vergangenen Herbst Kollegen in Südafrika die wissenschaftlichen Grundlagen und die Ergebnisse der Arbeitsgruppe am Bonner Universitätsklinikum vermittelt. Anschließend besuchte Dr. Torjan Haslerud von der Bonner Nuklearmedizin die Universität von Pretoria, mit der eine langjährige wissenschaftliche Kooperation besteht. Zusammen mit dem Direktor der dortigen Nuklearmedizin, Prof. Dr. Mike Sathekge, führte der Bonner am Steve Biko Academic Hospital der Universität von Pretoria die erste Radiopeptid-Therapie in Südafrika durch. Da die Behandlung so erfolgreich und komplikationslos verlief, sollen mittlerweile weitere Patienten damit therapiert werden. „Dieses Beispiel zeigt, dass internationale Kooperationen dazu führen können, spezielle Diagnostik- und Therapieverfahren in anderen Ländern zu implementieren“, betont Prof. Biersack.

Kontakt:
Prof. Dr. Hans-Jürgen Biersack und Privatdozent Dr. Samer Ezziddin
Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-15181
E-Mail: samer.ezziddin@ukb.uni-bonn.de

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