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  • Die Linguistin Edith Münch
    Die Linguistin Edith Münch
    von der Universität Bonn untersuchte, wie Bürgermeister mit Mitteln der Kommunikation versuchen, in den Kommunen eine gemeinsame Identität zu stiften. (c) Foto: Johannes Seiler/Uni Bonn
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Die Linguistin Edith Münch
von der Universität Bonn untersuchte, wie Bürgermeister mit Mitteln der Kommunikation versuchen, in den Kommunen eine gemeinsame Identität zu stiften. (c) Foto: Johannes Seiler/Uni Bonn
 
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Datum: 17.12.2012

Verschlüsselte Botschaften in Neujahrsreden Eine Linguistin verglich in ihrer Magisterarbeit an der Universität Bonn Ansprachen von Bürgermeistern

Als Antwort auf die fortschreitende Globalisierung wird die Identitätsstiftung und Gemeinschaft in den Städten und Gemeinden immer wichtiger. Das ist eines der Ergebnisse der Magisterarbeit „Wissen und raumbezogene Identitäten“ von Edith Münch. Die Germanistik-Absolventin der Universität Bonn untersuchte 35 Neujahrsreden niederrheinischer Bürgermeister aus den Jahren 2008 bis 2010. Nun ist das Werk sogar in Buchform erschienen – das ist bei Magisterarbeiten sehr selten.

Die Linguistin untersuchte, wie Bürgermeister mit Mitteln der Kommunikation versuchen, die Gemeinschaft in den Städten und Gemeinden zusammenzuführen und eine gemeinsame Identität zu stiften. „Neujahrsreden thematisieren die Entwicklung der jeweiligen Stadt, wollen das Wir-Gefühl stärken und zur gemeinsamen Tat motivieren“, sagt Edith Münch. „Deshalb ist es spannend, die darin enthaltenen Informationen zu vergleichen und systematisch zu entschlüsseln.“ Die Absolventin der Universität Bonn konzentrierte sich dabei auf den Niederrhein, um die Ergebnisse mit einer ähnlichen Studie aus den benachbarten Niederlanden vergleichen zu können.

Die Reden wurden mit einer speziellen Software ausgewertet

Für ihre Arbeit nutzte Edith Münch eine spezielle Software, die Prof. Dr. Josef Zelger von der Universität Innsbruck entwickelt hat und mit der sich die Inhalte von Texten systematisch erschließen lassen. Beim Vergleich der Reden und der Gruppierung von Schlüsselbegriffen zeigte sich, dass die Bürgermeister meist an positive Emotionen – etwa Mut zur Veränderung, Optimismus und Solidarität – appellieren: „Sind Sie mit mir stolz auf unsere Stadt.“ Die Stadtoberhäupter bedienen sich in ihren Neujahrsreden zudem eifrig verschiedenster Metaphern, um komplexe Entwicklungen bildhaft darzustellen und Identifikation hervorzurufen: zum Beispiel „…die Seele unserer Stadt…“, „…durch den wirtschaftlichen Aufschwung bekommen wir wieder Luft zum Atmen…“ und „…nicht der Anhänger sein…“.

Bürgermeister wollen Kollektivität, Identität und Konsens herstellen

„Das Wissen über eine Region und das Eintreten für eine Stadt werden sowohl über gemeinsame Leistungen, als auch über eine gemeinsame Geschichte und über gemeinsame Grundwerte vermittelt“, berichtet die Linguistin. Sie konnte zeigen, dass Bürgermeister bestrebt sind, Kollektivität, Identität und Konsens herzustellen. Das spiegelt sich in verschiedenen Zitaten der Reden wider: „Eine Kommune ist nicht bloß ein Wirtschaftsstandort. Eine Kommune ist eine Gemeinschaft, in der das Miteinander zählt“, sagte der Bürgermeister der Stadt Geldern, Ulrich Jansen. Auch das Oberhaupt der Stadt Brüggen zielt in die gleiche Richtung: „Unsere Gemeinde lebt vom bürgerschaftlichen Einsatz, vom Ehrenamt und der nachbarschaftlichen Hilfe vieler…“

Städte sollten in der globalen Welt stärker zusammenarbeiten

Die Linguistin sieht die intensivere Befassung mit den Regionen als Antwort auf die fortschreitende Uniformität der Welt durch die Globalisierung. „Die wichtigste Erkenntnis der Arbeit ist, dass Städte in der globalen Welt verstärkt zusammenarbeiten müssen, um ihre Identitäten zu stärken“, sagt Edith Münch. Die Arbeit wurde mit „sehr gut“ bewertet. Der Kommunikationswissenschaftler Dr. Helmut Ebert, außerplanmäßiger Professor für Unternehmenskommunikation an der Universität Bonn, hat die Magisterarbeit betreut. Er sieht das von Edith Münch angewandte Verfahren auf viele andere Gebiete – etwa die Markt- oder Kooperationsforschung – übertragbar. Die Arbeit sei sehr interdisziplinär angelegt, sagt Prof. Ebert. „Damit beweist die Linguistin gleichermaßen Engagement und Mut, sich über die Grenzen ihres Faches hinauszuwagen“, unterstreicht er.

Edith Münch, Jahrgang 1977, studierte Deutsche Sprache, Deutsche Literatur, Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sowie Politische Wissenschaften an den Universitäten Krakau und Bonn. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die praxisorientierte Forschung in der Bürger- und Unternehmenskommunikation sowie der regionalen Identitätsbildung. Sie lebt und arbeitet in Bonn.

Publikation: Edith Münch: Wissen und raumbezogene Identitäten. Wie Kommunen und Gemeinden durch ein gemeinsames Wissensmanagement voneinander lernen können. Individuelles Wissen in Neujahrsreden niederrheinischer Bürgermeister für ein modernes Stadtbild. Ibidem Verlag, Stuttgart, 147 Seiten, ISBN 978-3-8382-0317-1, 24,90 Euro.


Kontakt:

Edith Münch
Tel. 0151/51077735
edith.muench@netcologne.de

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