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SFB TR3

Transregionaler Sonderforschungsbereich 3:
"Mesiale Temporallappen-Epilepsien"
 
Sprecher
Prof. Dr. rer. nat. Christian Steinhäuser
Institut für Zelluläre Neurowissenschaften
Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25, Haus 47
53105 Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 287-14669
Fax: +49 (0)228 / 287-19121
Stellv. Sprecher
Prof. Dr. med. Christian E. Elger
Klinik für Epileptologie
Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
53105 Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 287-15727
Fax: +49 (0)228 / 287-14328
 
Sekretariat des SFB/TR3
Yvette Simons
SFB/TR3
c/o Klinik für Epileptologie
Tel.: +49 (0)228 / 287-19537
Fax: (0228) 287 19389
Email:sfbtr3@uni-bonn.de
Öffentlichkeitsarbeiten
Dr. Christian Hoppe
SFB/TR 3
c/o Klinik für Epileptologie
Tel.: +49 (0)228 / 287-16172
Fax: (0228) 287 14328
Email: christian.hoppe@ukb.uni-bonn.de
 


Allgemeine Zusammenfassung der Aufgaben und Ziele

Im Altertum nannte man sie die "heilige Krankheit": die Epilepsien (vom griechischen Wort für "erfasst werden"). Berühmte Persönlichkeiten wie Julius Cäsar, Isaac Newton und Fjodor Dostojewski waren betroffen. In Deutschland gibt es etwa 800.000 Patienten. Epileptische Anfälle sind äußerst vielgestaltig. Dem landläufigen Bild entspricht nur der "Grand mal" (französisch: "großes Übel"): Der Patient verliert das Bewusstsein, eine Streckung des ganzen Körpers geht in heftige Muskelzuckungen über. Oft verlaufen Anfälle jedoch wesentlich weniger dramatisch. Die Ursache epileptischer Anfälle ist eine Art "Gewitter im Gehirn": Viele Nervenzellen werden gleichzeitig elektrisch aktiviert und in einen gemeinsamen Rhythmus gezwungen. Je nachdem, wo im Gehirn das geschieht, treten die verschiedenen Anfallssymptome auf. Epilepsien sind häufig Begleiterscheinung einer anderen zugrunde liegenden Hirnerkrankung; einige Formen sind genetisch bedingt; für die meisten Epilepsien sind die Ursachen bisher jedoch unbekannt. Oft können Medikamente, zumindest zeitweise, die Anfälle verhindern und den Patienten ein weitgehend normales Leben ermöglichen. In einigen Fällen kann jedoch nur dadurch Anfallsfreiheit erzielt werden, dass das Hirngewebe, in dem die Anfälle entstehen, chirurgisch entfernt wird (pharmakoresistente Epilepsien). In Bonn werden jährlich bis zu 150 solcher epilepsiechirurgischer Eingriffe durchgeführt. Damit zählt das Bonner Neurozentrum zu den weltweit größten Einrichtungen ihrer Art.

Im Zuge der aufwändigen prächirurgischen Epilepsiediagnostik eröffnen sich vielfältige und einzigartige Forschungsmöglichkeiten, die in Bonn intensiv genutzt werden, um mehr über Epilepsien und die menschliche Hirnfunktion allgemein zu erfahren. Das Hirngewebe kann so entnommen werden, dass es noch über einige Stunden vital bleibt und funktionelle Untersuchungen ermöglicht, die für die Aufklärung von Anfalls-Ursachen sehr wichtig sind. Mediziner arbeiten intensiv mit Physikern, Chemikern, Biologen und Neuropsychologen zusammen. Die Forscher schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens verhelfen sie ihren Patienten zu einem Leben ohne Anfälle, zweitens lernen sie die Funktion des Gehirns besser verstehen. Die Patientenstudien werden durch Studien an Tiermodellen ergänzt, bei denen Fragen untersucht werden, die am Menschen nicht untersucht werden könnten. Auch wissenschaftlich zählen die beteiligten Bonner Kliniken (Epileptologie, Neurochirurgie, Neuropathologie) zu den international aktivsten und renommiertesten Institutionen auf diesem Gebiet.

Seit 2001 werden im transregionalen Sonderforschungsbereich "Mesiale Temporallappen-Epilepsien" (SFB/TR3) 19 bzw. seit 2004 20 wissenschaftliche Kooperationsprojekte der Universitäten Bonn, Berlin, Freiburg und Magdeburg (Hauptstandorte) durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert; Sprecheruniversität ist Bonn. Forschungsschwerpunkt sind Epilepsien des mittleren Schläfenlappens, dem auch eine wichtige Rolle bei der Emotionsverarbeitung sowie beim Lernen und Gedächtnis zukommt. Die Forschungsarbeit der im Sonderforschungsbereich kooperierenden Arbeitsgruppen ist nicht nur Teil des Kampfes gegen die Epilepsien, sondern ermöglicht auch ein besseres Verständnis unseres wichtigsten und kompliziertesten Organs, des Gehirns. 
Beteiligte Projekte
Projektbereich A: Epilepsy and clinical neurobiology of the limbic system    (1. und 2. Förderperiode)
Projekt Projektleiter Titel des Projekts
A1
seit 2001
Prof. Dr. med. Johannes Schramm Evaluation neurochirurgischer Resektionsstrategien bei Temporallappen-Epilepsie
A2
seit 2001
Dr. rer.nat. Klaus Lehnertz

Dr. Dr. Thomas Grunwald
(bis 6/2004)
Nichtlineare Analyse elektrischer Potentiale und magnetischer Felder im epileptischen Gehirn
A3
seit 2001
Prof. Dr. med. Martin Kurthen
(7/2004 - 6/2005)

Dr. Timm Rosburg
(seit 7/2005)
Bewusste und unbewusste Gedächtnisprozesse im mesialen Temporallappen des Menschen
A4
bis 6/2004
Dr. med. Guillén Fernández

Priv.-Doz. Dr. med. Ortrud K. Steinlein
(bis 2/2004)
Struktur-Funktions-Untersuchungen an gedächtnisrelevanten Strukturen
A5
bis 6/2004
Prof. Dr. med. Peter Propping Genetische Grundlagen von Temporallappen-Epilepsien
A6
seit 7/2004
Prof. Dr. med. Emrah Düzel Die strukturellen und funktionellen Langzeitfolgen von medialen Schläfenlappenresektionen auf limbische und neokortokale Verbindungen des Hippokampus und der parahippokampalen Region
A7
seit 7/2004
Dr. med. Stefan Vielhaber Metabolitgehalte des epileptischen Hippokampus von Mensch und Ratte: Welche Beziehung haben die NMR-Spektren zum Stoffwechsel?
 
Projektbereich B:
Molecular and structural alterations in temporal lobe epilepsy
   (1. Förderperiode)
Epilepsy-related plasticity in temporolimbic networks   (2. Förderperiode)
Projekt Projektleiter Titel des Projekts
B1/ 1. FP
(D6/2. FP)
Prof. Dr. med. Michael Frotscher Die Funktion von Cajal-Retzius-Zellen und Reelin bei Migrationsstörungen während der Hippocampus-Entwicklung
B2
bis 6/2004
Priv.-Doz. Dr. med. Deniz M. Yilmazer-Hanke Epilepsie-assoziierte Veränderungen in der strukturellen und molekularen Organisation der menschlichen Amygdala
B3
bis 6/2004
Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Deller Untersuchungen zur Konnektivität des menschlichen Hippocampus bei Temporallappen-Epilepsie
B4
seit 2001
Dr. med. Joachim Behr Reorganisation hippocampaler Netzwerke bei Temporallappen-Epilepsie
B5 Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Draguhn (1. FP)
Prof. Dr. med. Uwe Heinemann (2. FP)
Funktionelle und strukturelle Veränderungen der GABAergen Innervation bei Temporallappen-Epilepsien
B6/ 1. FP
D3/2. FP bis 12/2004
Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Doris Albrecht Interaktionen in amygdala-entorhinal-corticalen Schaltkreisen bei tierexperimentellen Modellen der Temporallappen-Epilepsie
B7
seit 7/2004
Dr. rer. nat. Thomas Seidenbecher Neurophysiologische Korrelate anfallsbezogener Einflüsse auf Furchtverhalten und Furchtgedächtnis in amygdalo-hippokampalen Schaltkreisen
B8
seit 7/2004
Dr. rer. nat. Susanne Schoch-McGovern Molekulare Neurobiologie der Temporallappen-Epilepsie: Funktion von Synaptotagminen und anderen Komponenten des präsynaptischen Neurotransmitterfreisetzungsapparates
B9
seit 7/2004
Priv.-Doz. Dr. Alon Friedman Cholinerge Übertragungsprozesse bei mesialen Temporallappen-Epilepsien
 
Projektbereich C:
Functional mechanisms of epileptic activity  
(1. Förderperiode)
Plasma membrane channels, receptors and transporters as substrates of hyperexcitability and epileptogenesis   (2. Förderperiode)
Projekt Projektleiter Titel des Projekts
C1
seit 2001
Prof. Dr. rer.nat. Christian Steinhäuser Veränderte zelluläre Eigenschaften von Gliazellen bei fokalen Epilepsien
C2
seit 2001
Dr. med. Heinz Beck Die Bedeutung spannungsabhängiger Ca2+-Kanäle bei experimentell induzierter und humaner Temporallappenepilepsie
C3
seit 2001
Prof. Dr. rer.nat. Hans-Christian Pape Funktionelle und molekulare Eigenschaften von Neuronen der Amygdala des Menschen
C4
bis 6/2004
Prof. Dr. med. Christian E. Elger Metaplastizität synaptischer Übertragung: Interaktion mit Gedächtnisprozessen bei humaner Epilepsie und Epilepsietiermodellen
C5
seit 2001
Dr. med. Dirk Dietrich Bedeutung von Kalium-Kanälen für Signalintegration und neuronale Erregbarkeit bei Temporallappen-Epilepsie
C6/ 2. FP)
(D1/1.FP)
Priv.-Doz. Dr. Albert Becker Epilepsie als erworbene Ionenkanalerkrankung: Rolle von T-Typ Calciumkanälen
C7
seit 7/2004
Prof. Dr. med. Heinz Beck Zelluläre Grundlagen von Pharmakoresistenz bei Temporallappen-Epilepsie
 
Projektbereich D:
Studies on animal models of focal epilepsy  
(1. Förderperiode)
Neuronal cell death, migration and repair in chronic epilepsy   (2. Förderperiode)
Projekt Projektleiter Titel des Projekts
D1
bis 6/2004
Priv.-Doz. Dr. med. Ingmar Blümcke
(bis 3/2002)
Priv.-Doz. Dr. med. Albert Becker
(ab 4/2002)
Molekulare Neuropathologie der Temporallappen-Epilepsie: Untersuchungen zur Rolle metabotroper Glutamatrezeptoren
D2
seit 2001
Priv.-Doz. Dr. med. Oliver Brüstle Transplantation neuraler Stammzellen in epileptogene Hippocampus-Segmente
D3 (1. FP)
B6/2. FP
bis 12/2004
Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Doris Albrecht Interaktionen in amygdala-entorhinal-corticalen Schaltkreisen bei tierexperimentellen Modellen der Temporallappen-Epilepsie
D5
bis 6/2004
Priv.-Doz. Dr.med. Dipl.Phys. Wolfgang Müller Muskarinische Signal-Transduktion bei mesialen Temporallappen-Epilepsien
D6 (2. FP)
B1 (1. FP)
Dr. rer. nat. Eckart Förster Die Funktion von Cajal-Retzius-Zellen und Reelin bei Migrationsstörungen während der Hippocampus-Entwicklung
D7
seit 7/2004
Prof. Dr. rer. nat. Carola Haas Experimentell induzierte Körnerzelldispersion - ein Modell zur Untersuchung von Migrationsdefekten bei Epilepsie
D8
seit 7/2004
Priv.-Doz. Dr. Stephan Frank Epilepsie-induzierter neuronaler Zelltod: der JNK/c-Jun/Bim-Signaltransduktionsweg und Möglichkeiten der Intervention durch intrazellulären Proteintransfer
 
Projektbereich Z: Administrative Services
Projekt Projektleiter Titel des Projekts
Z1
seit 2001
Prof. Dr. med. Christian E. Elger Verwaltung des Sonderforschungsbereichs und Transregionale Koordination
Z2
bis 6/2004
Prof. Dr. med. Christian E. Elger Datenbankverwaltung
 
Nachwuchsgruppe des SFB/TR3 am Standort Bonn
N01
seit 10/2006
Dr. rer. nat. Martin Theis Molekulare Neurobiologie der Temporallappen-Epilepsie: die Rolle von CPEB-Proteinen
 
Externe Kooperationspartner
Charité, Humboldt-Universität Berlin - seit 2001
Universitätsklinik Freiburg - seit 2001
Universitätsklinik Magdeburg - seit 2001
Forschungszentrum Jülich (Prof. Grassberger) (2001 - 2004)
Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main (Prof. Deller) (2001 - 2004)
Universität Jerusalem/Israel (Prof. Yaari) - seit 2001
Ben Gurion Universität/Beersheva/Israel (Dr. Friedman) - seit 7/2004
Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Prof. Pape, Dr. Seidenbecher) - seit 12/2004
University College Cork/Ireland (Priv.-Doz. Yilmazer-Hanke) (01-08/2007)
 
Laufzeit
1. Förderperiode: Juli 2001 bis Juni 2004
2. Förderperiode: Juli 2004 bis Juni 2008
3. Förderperiode: Juli 2008 bis Juni 2012
 
Anzahl der Mitarbeiter
Wissenschaftliche: 85
Nichtwissenschaftliche: 26

Homepage
http://www.meb.uni-bonn.de/epileptologie/sfb-tr3/