Keltologie (B.A., Begleitfach)
Informationen der Zentralen Studienberatung
Gegenstand des Faches Keltologie sind die Sprachen und Kulturen der keltischen Völker von der Hallstattzeit bis zur Gegenwart. Folgende Sprachen fallen in den Rahmen des Faches: Irisch, Schottisch-Gälisch, Manx, Kymrisch (Walisisch), Bretonisch und Kornisch, sowie das nur fragmentarisch überlieferte Festlandkeltisch. Alle noch lebenden keltischen Sprachen (einschließlich der bretonischen Sprache) gehören zum Inselkeltischen. Es wird in die Gruppe der goidelischen Sprachen (Irisch, Schottisch-Gälisch und Manx) und in die der britannischen Sprachen (Walisisch, Kornisch und Bretonisch) unterteilt.
Innerhalb der Keltologie nehmen das Alt- und Mittelirische sowie das Mittelkymrische eine zentrale Stellung ein. Das erklärt sich aus ihrer sprachgeschichtlichen Bedeutung und ihrer reichen Literatur, die einen wesentlichen, wenn auch zumeist nur unzureichend wahrgenommenen Beitrag zur europäischen Kulturentwicklung des Mittelalters darstellt.
Neben der linguistischen Erfassung der keltischen Einzelsprachen in Vergangenheit und Gegenwart und der vergleichend-sprachwissenschaftlichen Betrachtung der keltischen Sprachgruppe als ganzer bildet daher die philologische und literaturgeschichtliche Aufarbeitung der mittelalterlichen irischen und walisischen Literatur ein weites Arbeitsfeld des Faches. Zu berücksichtigen sind in diesem Rahmen auch die politische, die Rechts-, Kirchen-, und Kulturgeschichte der betreffenden Völker, vor allem für die Zeit von der Antike bis zum Ausgang des Mittelalters.
Die Keltologie entwickelte sich aus der vergleichenden und historischen Sprachwissenschaft, die sich ab dem Ende des 18. Jahrhunderts in Europa etablierte. Der Engländer Sir William Jones hatte 1786 anhand von Ähnlichkeiten des Lateinischen, Griechischen und des Sanskrit erstmals öffentlich die Verwandtschaft der indogermanischen Sprachen postuliert. Aufgrund einiger grammatischer Besonderheiten wurden die keltischen Sprachen jedoch erst im Laufe des 19. Jahrhunderts fest zu den indogermanischen Sprachen gerechnet.
Als Gründer der deutschen Keltologie gilt Johann Kaspar Zeuß (1806-1856). Sein Ruhm basiert vor allem auf seinem monumentalen, auf Latein verfassten Werk „Grammatica Celtica“ (1851), in dem er das altirische und mittelwalisische Material sichtete und bewertete sowie die Zugehörigkeit der keltischen Sprachen zu den indogermanischen Sprachen plausibel machte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden keltologische Forschungen vor allem von Sprachwissenschaftlern anderer Forschungszweige „mitbetrieben“.
Der wohl bis heute wichtigste deutschsprachige Keltologe ist der Schweizer Rudolf Thurneysen (1857-1940). Er folgte 1913 dem Indogermanisten Felix Solmsen auf dessen seit 1911 vakanten Lehrstuhl und widmete sich neben seinen Studien zu den romanischen und indogermanischen besonders den keltischen Sprachen. Auch nach seiner Emeritierung 1923 war er bis zu seinem Tod 1940 wissenschaftlich in Bonn tätig. Zur Geschichte der Bonner Keltologie findet sich ein ausführlicher Überblick auf den Institutsseiten.
Seit 2005 gehört die „Abteilung für Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft und Keltologie“ zum „Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie“ (IAAK), hat aber eigene Räumlichkeiten Am Hof 3-5. Hier befindet sich auch die Bibliothek des ehemaligen Sprachwissenschaftlichen Instituts, die wohl die beste keltologische Sammlung Deutschlands enthält und seit Jahrzehnten Anziehungspunkt internationaler Forscher ist. Im Hinblick auf die Vermittlung der modernen keltischen Sprachen erhält die Abteilung Unterstützung von Seiten der Irischen Regierung.
Die Bonner Keltologie profitiert zudem erheblich von dem Angebot des in Königswinter bei Bonn ansässigen Studienhauses für Keltische Sprachen und Literaturen, einer Außenstelle der Abteilung für Keltologie. Das Studienhaus bietet vor allem Sprachkurse in den keltischen Gegenwartssprachen Irisch, Walisisch, Bretonisch und Schottisch-Gälisch an. Eine weitere Unterstützung bietet das Deutsche Zentrum für Gälische Sprache und Kultur, dessen Leiter, Michael Klevenhaus, Lehrbeauftragter für Schottisch-Gälisch an der Abteilung für Keltologie in Bonn ist.
