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Archäologien

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Archäologien in Bonn

Der Bachelor-Studiengang "Archäologie" vereint die traditionell benachbarten Disziplinen "Klassische Archäologie", "Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie", "Christliche Archäologie" und "Ägyptologie". Damit wurden Fächer kombiniert, die in Forschung und Lehre die visuellen Medien alter Kulturen in ihren historischen und kulturgeschichtlichen Zusammenhängen untersuchen.

Klassische Archäologie erforscht die materielle Hinterlassen­schaft der antiken Völker des Mittelmeergebietes, also der Grie­chen, Etrusker, Römer und ihrer Nachbarn. Sie umgreift einen Zeitraum von der kretisch-mykenischen Epoche bis zur Spätantike (ca. 1500 v. Chr. bis 500 n. Chr.). Es werden die verschiedenen Denkmälergattun­gen (Skulptur, Malerei, Architektur, Kera­mik, Mosaik etc.) behandelt, ebenso Probleme der Gesellschafts-, Wirtschafts- und Religionsgeschichte, der antiken Topographie etc.

Neben der typologischen und stilgeschichtlichen Ordnung des Mate­rials stehen übergreifende Fragestellungen zur Funktion, zur Ikono­graphie und Strukturanalyse im Vordergrund. Um die ideen­­geschichtlichen Bezüge einzelner Motive und Gattungen sowie allgemeiner künstlerischer und kultureller Phänomene zu erken­nen, ist es nötig, das wirtschaftliche, soziale und religiöse Umfeld zu bestimmen. Die historische Interpretation der archäologischen For­schungs-gegenstände erfordert daher zugleich eine intensive Beschäf­tigung mit den literarischen, epigraphischen und numisma­tischen Zeugnissen der Antike.

Das Akademische Kunstmuseum, die Antikensammlung der Universität Bonn, ist eine der größten Abguss-Sammlungen Deutschlands. Mit zahlreichen Gipsabgüssen und vielen Originalen aus Terrakotta, Marmor und Bronze ist es ein interessanter Lernort für Studierende und Besucher.

Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie: Gegenstand des Faches sind die vor- und frühgeschichtlichen Kulturen Europas, beginnend mit dem ersten Auftreten des Menschen und räumlich und zeitlich endend, wo neben die Bodenurkunden in beträchtlichem Umfang schriftliche Quellen treten. Im Einzelnen umfasst die Vorgeschichte die drei Hauptperioden Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit mit ihren Unterabschnitten. Ihre Quellen sind rein archäologischer Natur (Bodendenkmäler, Fundgegenstände), ihre Methoden unterscheiden  sich daher von jenen der historischen Fächer im engeren Sinne. Die Frühgeschichte widmet sich der Kulturentwicklung Europas im ersten nachchristlichen Jahrtausend bis zum Einsetzen des Hochmittelalters unter Berücksichtigung vornehmlich archäologischer, aber auch historischer Quellen. Als jüngste Entwicklung hat sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit als weiterer Zweig der archäologisch arbeitenden Disziplinen etabliert, die nun neben den archäologischen Quellen auch historische, geographische, landeskundliche und kunsthistorische Quellen in ihre Arbeitsweise einbezieht. Am Bonner Institut hat sich ein Studienschwerpunkt im Bereich der europäischen Frühgeschichte/Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit gebildet.

Christliche Archäologie erforscht die materielle Hinterlassenschaft der Spätantike und der frühbyzantinischen Epoche, d. h. die Zeit vom ausgehenden 3. Jh. (Diokletian) bis ins 8./9. Jh. (arabische Expansion und Folgen, Bilderstreit, Kaiserkrönung Karls des Großen).

Forschungsgegenstände sind die Entstehung, Erscheinung, Funktion und Wirkung der künstlerischen Medien wie Architektur, Skulptur bzw. Plastik, Malerei, Keramik, Textilien und Kleinkunst. Die spätantike und frühbyzantinische Kunst und Kultur hat wichtige Berührungspunkte mit den Forschungsbereichen der Klassischen Archäologie, der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie, der mittelalterlichen Kunstgeschichte und der Alten Kirchengeschichte. Wichtigster Teilbereich der Christlichen Archäologie ist die frühchristliche Kunst und Kultur. Zu ihm gehört z. B. die Erforschung des Beginns des Kirchenbaus, der christlichen Bildersprache, des engen Zusammenhanges zwischen der heidnischen und christlichen Kunst.

Ägyptologie erforscht alle Bereiche der altägyptischen Hochkultur (Alltagsleben, Sprache und Literatur, Geschichte, Religion, Kultur und Kunst, Wirtschaft, Recht, Ethik und Geistesleben) von der Vorgeschichte des 5. Jahrtausends vor Christus bis zum Ende der Römerherrschaft im 4. Jahrhundert nach Christus. Spuren dieser Kultur finden sich vor allem im Niltal vom Mittelmeer bis zum Sudan als auch von der Libyschen Wüste im Westen bis nach Vorderasien im Osten sowie im gesamten Mittelmeerraum. Grundlage der Ägyptologie ist die Beherrschung der ägyptischen Schriftarten (Hieroglyphen, Hieratisch) und Sprachstufen (Mittel-, Alt- und Neuägyptisch, Demotisch und Koptisch).

An der Universität Bonn existiert in der Abteilung für Ägyptologie die Fachrichtung „Archäologie des Nahen Ostens“, die sich interdisziplinär beschäftigt mit der Geschichte, Topographie und materiellen Hinterlassenschaft der Antike im Nahen Osten von Südsyrien bis Nordarabien unter besonderer Berücksichtigung von Palästina-Israel/Jordanien. Der archäologische Befund wird neben der Sachklassifikation primär unter historischen, sozialen und religionsgeschichtlichen Aspekten eingeordnet.

Seit 2001 gibt es an der Universität Bonn das Ägyptische Museum, eine reichhaltige Sammlung von Aegyptiaca, die den Studierenden und der Öffentlichkeit zugänglich ist.