Allgemein gesagt regelt das Recht menschliches Verhalten durch ein Gefüge von Normen. Sowohl das geschriebene Recht als auch das sogenannte Gewohnheitsrecht gehören dieser Rechtsordnung an. Aufgabe der Juristen ist es, diese Rechtsnormen zum Zwecke der Konfliktlösung auf konkrete Sachverhalte anzuwenden, wobei bestimmte Regeln und Methoden eingehalten werden müssen. Die Rechtswissenschaft beschäftigt sich mit Problemen von Gesetzgebung und Rechtsprechung, nimmt kritisch zu ihnen Stellung und erarbeitet Alternativlösungen, die wiederum Eingang in die Legislative und Judikative finden. Das rechtswissenschaftliche Studium hebt weniger auf die Kenntnis einzelner Paragraphen ab als vielmehr auf ein vertieftes Verstehen von Rechtstexten jedweder Art. Zielsetzung des Studiums ist es, die verschiedenen Rechtsgebiete nach Regeln, Regelungsmaterien und Systematik zu beherrschen, die erworbenen Kenntnisse auf konkrete Fälle anwenden und Falllösungen in Form von Gutachten erstellen zu können. Die Inhalte des Studiums berücksichtigen die rechtsprechende, verwaltende und rechtsberatende Praxis einschließlich der hierfür erforderlichen Schlüsselqualifikationen.
(In Anlehnung an F. Braschos/C. Maas: Fachstudienführer Rechtswissenschaft, München 1981 und § 7 JAG NRW vom 11.03.2003)
Der Fachbereich Rechtswissenschaft in Bonn
Der Beginn juristischer Forschung in Bonn fällt in die Zeit um 1730, als einem Bonner Gymnasium Lehrstühle für Rechtswissenschaft und Philosophie angegliedert wurden. So konnte die Universität Bonn schon bei ihrer Gründung 1818 auf einen Kern rechtswissenschaftlicher Arbeit zurückgreifen.
Heute bildet das Fach unter Einbeziehung sämtlicher Abschlüsse über 3.600 Studenten aus. Im Fachbereich Rechtswissenschaft sind die klassischen Fächer des Zivil-, Straf- und Öffentlichen Rechts vertreten. Zahlreiche Veranstaltungen werden zudem in den Grundlagen des Rechts (Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte und Rechtssoziologie), im Handels- und Gesellschaftsrecht, im Arbeits- und Sozialrecht, im Verfahrensrecht, im Internationalen Privatrecht, in der Rechtsvergleichung und im Völkerrecht angeboten, ebenso Veranstaltungen in Juristischer Informatik und in Wirtschaftswissenschaften für Juristen. 1989 wurde ein Zentrum für Europäisches Wirtschaftsrecht gegründet, dessen Ziel es ist, die Forschungsarbeiten mit Europabezug zu koordinieren, Erkenntnisse auszutauschen und Kontakte zu Organen der Europäischen Gemeinschaft, europäischen Hochschulen und Bundesministerien aufzubauen. Das Zentrum organisiert Vortragsreihen, Symposien und gibt eine Schriftenreihe heraus.
Mit spezifischen Problemen des Umweltrechts beschäftigt sich das Institut für das Recht der Wasser- und Entsorgungswirtschaft. Das Industrierechtliche Seminar bildet ein Forum zur Diskussion der Rechtsentwicklung in den Bereichen Handels- und Wirtschaftsrecht, Arbeits- und Sozialrecht, Steuerrecht und der Wirtschaftspraxis. Die Rolle Bonns als Standort von Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden wird im Veranstaltungsprogramm berücksichtigt.
Der Fachbereich Rechtswissenschaft ist außerdem beteiligt am Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI), das einen Master-Studiengang European Studies anbietet. Im Zentrum für Religion und Gesellschaft (ZERG), das die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen den Religionen untereinander und zwischen den Religionen und ihren jeweiligen Bezugsgesellschaften erforscht, ist der Juristische Fachbereich beteiligt.
Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät ist eng verbunden mit dem in Bonn ansässigen Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern. Im Rahmen des interdisziplinären Center for Advanced Studies in Law and Economics (CASTLE) arbeiten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts mit Vertretern der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät zusammen. Es werden Konferenzen zu Themen der Rechtsökonomie sowie Interdisziplinäre Symposien zur Relevanz ökonomischer Methoden in den Rechtswissenschaften durchgeführt. Im LawEcon Workshop stellen zumeist auswärtige Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse zur Diskussion.
Außerdem betreibt der Bonner Juristische Fachbereich an der Universität Warschau eine Deutsche Rechtsschule.
Interessante Möglichkeiten für studentisches Engagement bietet die lokale Gruppe von ELSA. ELSA steht für „European Law Students’ Association“. Sie ist in ca. 40 europäischen Ländern an mehr als 220 Universitäten vertreten. ELSA hilft bei der Organisation von Auslandspraktika und veranstaltet Studienfahrten, Seminare sowie Kanzleibesuche, Besuche von JVA’s etc.
Wer im Rahmen des Studiums nach Möglichkeiten sucht, juristische Beiträge zu publizieren, findet dafür im Bonner Rechtsjournal die richtige Anlaufstelle. Dabei handelt es sich um eine lesenswerte juristische Zeitschrift, die rein in studentischer Verantwortung geführt wird. Kontaktaufnahme erfolgt über: redaktion@bonner-rechtsjournal.de