Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
10.15 Uhr, Hörsaal I
Prof. Dr. Dirk Menche
(Organische Chemie/Antrittsvorlesung)
Chemie und Biologie komplexer Polyketide
Komplexe Polyketide stellen aufgrund ihrer
strukturellen Vielfalt und bedeutenden biologischen Eigenschaften attraktive
Forschungsobjekte dar. Wir haben erstmals die genaue 3D Struktur komplexer
Polyketide analysiert und effektive synthetische Zugänge entwickelt. Dadurch
ist es möglich, diese vielversprechenden Verbindungen weiter zu entwickeln.
11.15 Uhr, Hörsaal I
Prof. Dr. Carsten Burstedde
(Wissenschaftliches Rechnen/Antrittsvorlesung)
Computersimulation der Dynamik des Erdmantels und der
Plattentektonik
Über Zeitskalen von Millionen Jahren verhält sich das
Gestein im Erdmantel, also von der Grenze des äußeren Kerns in etwa 2900 km
Tiefe bis zur Erdoberfläche, wie eine zähe Flüssigkeit. Durch den Wärmezufluss
an der Kerngrenze erhitzt sich das Gestein dort und steigt nach oben, während
die oberen Schichten abkühlen und wieder absinken. Dieser Prozess führt zu
horizontalen Bewegungen des Materials an der Oberfläche, die wir als Verschiebung
der Kontinente messen können. Durch Computermodelle lassen sich Annahmen über
die unbekannten Verhältnisse im Erdmantel auf Plausibilität testen: Stimmen die
Ergebnisse der Simulation mit der Realität hinreichend überein, so ist das
Modell zumindest nicht
offensichtlich falsch. Das Durchführen einer solchen
Simulation verlangt es, zusätzlich zur korrekten physikalischen und
mathematischen Beschreibung das Problem in möglichst guter Näherung im Computer
darzustellen. Dies erfordert selbst mit adaptiven Methoden, die die
Plattengrenzen mit einem Kilometer Auflösung erfassen und im unteren Mantel
gröbere Darstellungen verwenden, Hunderte Millionen variablen, die auf Tausende
Einzelcomputer verteilt werden müssen. In diesem Vortrag werde ich numerische
Techniken vorstellen, it denen diese Komplexität beherrscht werden kann.
12.15 Uhr, Hörsaal I
Dr. Alessandro Battaglia
(Meteorologie/Antrittsvorlesung)
How much does it rain over the globe?
Present and future
Because
of its large spatial and temporal variability, rain remains the most
challenging climate variable to be observed and predicted. Prediction-wise,
global climate and numerical weather models demonstrate poor capabilities in
mapping location and amounts of precipitation and cannot produce robust
predictions at the regional scale. The major difficulty stems from the fact
that rain is the result of a very complicate chain of
small/large scale processes and feedbacks, which are parameterized at the model
large-scale with levels of empiricism and assumptions that are hard to evaluate
with current global observations.
Observation-wise, as demonstrated by the Tropical Rainfall Measuring
Mission and by the CloudSat missions, space-borne radars do represent irreplaceable
assets for the global observations of rain and
its
vertical structure but radar-based inversion methodologies are still affected
by large uncertainties related to the assumptions on the rain microphysics. A
significant breakthrough in this area calls for new cuttingedge observing systems,
multi-frequency and Doppler radarsin primis, capable of observing and
quantifying the processes leading to rain formation and of testing the model
parameterizations, now provided at finer and finer resolutions, in representing
such processes. Only such an orchestrated effort between models and
observations will give sounding credibility to precipitation predictions in a
changing climate.
14.15 Uhr, Hörsaal I
Prof. Dr. Olav Schiemann
(Physikalische Chemie/Antrittsvorlesung)
EPR-Spektroskopie: Von kleinen Molekülen zu
biomolekularen Komplexen
Elektronen Paramagnetische Resonanz Spektroskopie
(EPR) ist eine Methode mit der die elektronische und geometrische Struktur
sowie die Dynamik von Systemen ohne Größenrestriktion untersucht werden kann.
Die in den letzten zwanzig Jahren erfolgten technischen Entwicklungen, die
Einführung von multidimensionalen gepulsten EPR-Techniken, sowie die Kopplung
an DFT oder generell in silico Methodenhaben die EPR-Spektroskopie zu einer
breit einsetzbaren und zuverlässigen Methoden zum Beispiel im Bereich der
Material- und Biowissenschaften gemacht. In diesem Vortrag wird eine kurze
Einführung in die EPR-Spektroskopie gegeben und die wichtigsten Fortschritte
skizziert. An Beispielen wird dann gezeigt, was man mit EPR erreichen kann und
was zur Zeit nicht.
15.15 Uhr, Hörsaal I
Dr. Maurice van Gastel
(Physikalische Chemie/Antrittsvorlesung)
Der Kuss einer Bettwanze: die biologische Funktion der
Nitrophorine
Nitrophorine sind Proteine, die in der
Speichelflüssigkeit von einigen blutsaugenden Raubwanzen vorkommen. Während
einer Mahlzeit wird der Speichel in das Gewebe des Opfers gepumpt. Dort bewirkt
er (i) die Unterdrückung der Immunantwort, (ii) die Aufweitung der Blutgefäße
und (iii) die Inhibierung der Blutgerinnung. Nitrophorine tragen zu allen drei
Funktionen bei, wobei die Abgabe von NO für die Funktionen (ii) und (iii) wichtig ist. Obgleich allen
Nitrophorinen der inkorporierte Häm-b-Kofaktor gemein ist, gibt es zwischen den
Sequenzen und Strukturen unterschiedlicher Nitrophorinekeinerlei
Übereinstimmung. Das zweiatomige Gasmolekül Stickstoffmonoxid (NO) ist ein
freies Radikal, das als wichtiges Signalmolekül für viele physiologische
Funktionen produziert wird. Zu den wichtigsten gehören die Regulation des
Blutdrucks, die Nervenreizweiterleitung und die Abwehr gegen eindringende
Organismen. Die Entdeckung seiner zentralen Funktion in der Herz- und
Kreislaufregulation führte 1998 zur Verleihung des Nobelpreises für Medizin.
Deswegen ist das in der Natur realisierte Konzept, das NO-Molekül durch ein
Eisenprotein (Nitrophorin) zu verabreichen, eine neuartige und
vielversprechende Strategie zur Entwicklung pharmakologisch wirksamer
Substanzen.
16.15 Uhr, Hörsaal I
Prof. Dr. Meinard Müller
(Praktische
Informatik/ Audiosignalverarbeitung/Antrittsvorlesung)
Musik trifft Informatik
Wenn eine Melodie sofort zum Ohrwurm wird, fragt man
sich, ob man diese nicht schon einmal in einem anderen Musikstück gehört hat.
Um das herauszufinden, reicht es nicht, Musiktitel und Komponist zu kennen. Man
muss dafür Musikausschnitte auch akustisch vergleichen oder große Notenbestände nach ähnlichen Mustern durchsuchen können. Wer etwa
nach einem Lieblingstitel sucht, könnte dem Computer ein Melodiefragment
vorpfeifen und danach suchen lassen. Oder er könnte als MP3-Datei einen kurzen
akustischen Musikausschnitt einspielen und danach fragen, in welchen
Musikstücken ähnliche Passagen vorkommen. Ein Musikwissenschaftler könnte sich
außerdem dafür interessieren, wo bestimmte Notenkonstellationen, Harmonieverläufe
oder Rhythmen zu finden sind. In diesem Vortrag wollen wir aufunterhaltsame Weise und anhand vieler musikalischer
Beispiele auf neue Wege in der computergestützten Musiksuche und –analyse
eingehen.
